Markterwartungen

Deutschland

Hatte sich der Markt für Telekommunikationsdienstleistungen in Deutschland im Jahr 2016 mit einem Minus von 0,4 % (Quelle: Bitkom) leicht rückläufig entwickelt, so dürfte er sich – nach Einschätzung von EITO (European Information Technology Observatory) – 2017 stabilisieren. Die erwartete Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass die zunehmende Nachfrage nach mobilem Datenvolumen und höheren Geschwindigkeiten sowie der Bedarf nach hochbitratiger Konnektivität im Geschäftskundenbereich den Umsatzrückgang bei der klassischen Festnetztelefonie kompensieren kann. Fasst man den ICT-Markt weiter und bezieht neben Telekommunikation auch IT-Dienste mit ein, geht EITO für 2017 von einem Plus von 1,5 % aus. Dies ist im Wesentlichen bedingt durch das Wachstum im IT-Markt von 2,7 %, v. a. aufgrund der starken Nachfrage bei Dienstleistungen für Geschäftskunden (z. B. Outsourcing, Projektgeschäft, Beratung) sowie im Bereich Software (Virtualisierung und Software as a Service). Für unsere Wettbewerbspositionierung spielen innovative, integrierte Produkte sowie attraktive Zusatzdienste wie TV- und Musik-Optionen oder Smart Home im Privatkundenbereich eine immer größere Rolle. Bei den Geschäftskunden gewinnen Cloud Services, Security-Anwendungen sowie Lösungen für Industrie 4.0 zunehmend an Bedeutung. Zudem heben wir uns durch die verfügbaren Bandbreiten im Down- und Upload und das in den Tarifen enthaltene mobile Datenvolumen von anderen Anbietern ab. Der Mobilfunkmarkt in Deutschland wird von drei Anbietern mit eigener Netzinfrastruktur geprägt, die über 4G/LTE-Technologie einen Großteil der Bevölkerung mit mobilem Hochgeschwindigkeits-Internet versorgen. Anders der Markt für Festnetz-Breitband: Er ist durch eine Vielzahl von Wettbewerbern – von überregionalen Anbietern bis hin zu regionalen Versorgern – mit unterschiedlichen Infrastrukturen gekennzeichnet. Wir gehen davon aus, dass nicht nur die Anzahl der Kabelnetzbetreiber weiter wächst, sondern dass auch die Zahl der Anbieter mit eigenem DSL- oder Glasfasernetz zunehmen wird.

USA

Der US-amerikanische Mobilfunk-Markt ist weiterhin von intensivem Wettbewerb zwischen den bedeutendsten Mobilfunk-Anbietern gekennzeichnet. Entscheidende Faktoren für den Wettbewerb auf dem US-amerikanischen Mobilfunk-Markt sind u. a. dynamische Preisanpassungen, Marktsättigung im Bereich Sprach-, Service- und Produktangebote, Kundenerlebnis, Netzqualität, Entwicklung und Einsatz von Technologien, Verfügbarkeit von Spektrumlizenzen sowie regulatorische Veränderungen. Besondere Kennzeichen des Postpaid-Mobilfunk-Markts in den USA sind Finanzierungsoptionen für Endgeräte, z. B. bei T-Mobile US die Möglichkeit der Ratenzahlung oder das Mieten von Endgeräten im Rahmen von JUMP! On Demand, sodass die Kunden die Möglichkeit haben, sich nur für einen Mobilfunk-Dienst zu entscheiden, ohne gleichzeitig ein Endgerät erwerben zu müssen. Trotz sehr hoher Wettbewerbsintensität sind Datendienste nach wie vor ein Wachstumstreiber, was weitere Netzinvestitionen der großen Mobilfunk-Betreiber auf dem US-amerikanischen Mobilfunk-Markt begünstigt.

EUROPA

In den kommenden beiden Jahren wird das traditionelle Telekommunikationsgeschäft in unseren europäischen Märkten leicht rückläufig erwartet. So prognostiziert der Industrie-Analyst „Analysys Mason“ Rückgänge von 1,1 % für 2017 und von 0,9 % für 2018. Dabei werden die Märkte unseres operativen Segments Europa durch einen anhaltenden Wettbewerbs- und Preisdruck belastet, v. a. infolge neuer preisaggressiver Anbieter, wie z. B. „Digi“ in Ungarn und „SWAN“ in der Slowakei. Im Festnetzgeschäft kann die erwartete weiterhin positive Entwicklung in den Breitband- und Pay-TV-Märkten die Rückgänge bei der Sprachtelefonie nur teilweise ausgleichen. Der Wettbewerb zwischen der klassischen Telekommunikationsbranche und alternativen Breitbandanbietern, wie z. B. Kabelnetzbetreibern, dürfte sich insbesondere durch weitere Zusammenschlüsse mit Mobilfunk-Netzbetreibern intensivieren. Zudem gehen wir davon aus, dass die Substitution klassischer Telekommunikationsdienste wie Kurznachrichten und Sprachtelefonie durch internetbasierte Serviceanbieter (sog. „OTT-Player“) weiter anhält und mit einem Anstieg des Datenvolumens einhergeht. Der Trend zu integrierten Geschäftsmodellen, also die Bündelung von Festnetz- und Mobilfunk-Angeboten (FMC), wird sich voraussichtlich in Europa fortsetzen. Der Markt für reine Fest- oder Mobilfunk-Netzbetreiber dürfte deshalb schrumpfen. Zugleich wird ein höherer Druck – insbesondere auf reine Mobilfunk-Anbieter – erwartet, ihre Infrastruktur um fehlende Zugangstechnologien zu ergänzen, sei es durch den Aufbau von eigenen Netzen, durch Partnerschaften und/oder Zusammenschlüsse. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen auf unseren europäischen Märkten werden sich im Prognosezeitraum möglicherweise weiter verbessern. Der Industrie-Analyst „Oxford Economics“ erwartet in den kommenden Jahren für alle Länder unseres operativen Segments eine positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts sowie einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Fiskalpolitische Eingriffe, wie z. B. in Griechenland, werden sich negativ auf die Telekommunikationsmärkte auswirken. Entscheidungen nationaler Regulierungsbehörden und der Europäischen Union werden sich auch im kommenden Jahr negativ auf die Märkte auswirken und unsere Umsätze belasten. Insbesondere die EU-Roaming-Regulierung im Juni 2017 könnte, je nach Ausgestaltung, mit erheblichen Negativeffekten verbunden sein.

SYSTEMGESCHÄFT

Mit der Erholung der Weltwirtschaft sollte auch das Wachstum im ICT-Markt in den kommenden beiden Jahren wieder anziehen. Der anhaltende Kostendruck und der starke Wettbewerb werden den ICT-Markt weiterhin prägen. Gleichzeitig erwarten wir, dass die Digitalisierung zu einer höheren Nachfrage nach Lösungen aus den Bereichen Cloud Services, Big Data, intelligente Netzdienstleistungen, wie Industrie 4.0, Internet der Dinge und M2M sowie Mobilisierung von Geschäftsprozessen, aber auch ICT-Sicherheit führen wird. Unserer Einschätzung nach werden sich die ICT-Märkte in den beiden Marktsegmenten Telekommunikation und IT-Dienstleistungen unterschiedlich entwickeln:

  • Telekommunikation: Der hart umkämpfte Telekommunikationsmarkt bleibt herausfordernd – innovativer Wandel, ein intensiver Wettbewerb, anhaltender Preisverfall sowie Eingriffe der staatlichen Regulierungsbehörden werden voraussichtlich einen Rückgang des Gesamtumsatzes im Markt zur Folge haben, auch wenn das Geschäft mit mobilen Datendiensten oder dem Internet der Dinge in den nächsten Jahren weiter wachsen wird.
  • IT-Dienstleistungen: Nach einem deutlichen Wachstum des Markts für IT-Dienstleistungen im Berichtsjahr rechnen wir für die Folgejahre 2017 und 2018 mit einem anhaltenden, stabilen Wachstum. Zugleich ist der Markt einem starken Wandel unterworfen, etwa durch die fortschreitende Standardisierung, die Nachfrage nach intelligenten Dienstleistungen und Veränderungen im Outsourcing-Geschäft durch Cloud Services. Hinzu kommen neue Herausforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung, die immer wichtigere ICT-Sicherheit, Big Data und die wachsende Mobilität. Das traditionelle ICT-Geschäft dürfte aufgrund des Preiswettbewerbs zurückgehen, während Cloud Services, Mobilität und ICT-Sicherheit (Cyber Security) mit bis zu zweistelligen Raten wachsen sollten. Vor diesem Hintergrund wollen wir weiterhin verstärkt in Wachstumsmärkte investieren, wie z. B. Digitalisierung, Cloud Services, Cyber Security und intelligente Netzlösungen für die Gesundheitsbranche oder die Automobilindustrie.

GROUP DEVELOPMENT

Das Marktumfeld unseres zum 1. Januar 2017 gegründeten operativen Segments Group Development wird durch verschiedene Märkte geprägt. Im Wesentlichen sind die Märkte, in denen unsere Gesellschaften T-Mobile Netherlands und Deutsche Funkturm (DFMG) tätig sind, relevant für das Marktumfeld des operativen Segments Group Development:

  • Der niederländische Mobilfunkmarkt war schon länger durch hohen Preis- und Wettbewerbsdruck gekennzeichnet; dieser dürfte sich weiter verstärken. Ein wesentlicher Trend, der hierzu beiträgt, ist die zunehmende Bündelung von Festnetz- und Mobilfunk-Produkten (FMC). So schafft der Zusammenschluss von Vodafone und Ziggo – neben dem Incumbent KPN – einen zweiten starken und ambitionierten landesweiten FMC-Anbieter. Der Trend zu gebündelten Produkten dürfte zugleich insbesondere – wie schon in der Vergangenheit – das Preisniveau für Mobilfunk-Produkte unter Druck setzen. Auch das ausgeprägte Discount-Segment aus Zweitmarken von Mobilfunk-Anbietern sowie MVNOs sollten den Wettbewerb weiterhin beleben.
  • Mit rund 27 000 Standorten ist die DFMG der größte Anbieter von passiver Funkinfrastruktur für den Mobil- und Rundfunk in Deutschland. Der Mobilfunk ist dabei der mit Abstand größte Geschäftsbereich. Für die kommenden beiden Jahre gehen wir von einer steigenden Nachfrage nach zusätzlichen Netzkapazitäten aus, die bei den Mobilfunk-Netzbetreibern zu einem ebenfalls steigenden Bedarf an Erweiterungen und Neubauten von Mobilfunk-Standorten führen sollte. Diese Entwicklung dürfte zum Teil kompensiert werden durch die laufende Netzkonsolidierung unseres Kunden Telefónica, einen sinkenden UKW-Bedarf beim Rundfunk sowie durch die sukzessive Abschaltung des analogen Behördennetzes.