Innovation als Dreiklang

Um noch mehr Innovationskraft zu entfalten, setzen wir nicht nur auf eigene Innovationen, sondern integrieren auch erfolgreich Neues von außen. Differenzierung durch und Wachstum aus Innovationen generiert Group Innovation+ auf drei Arten: aus Eigenentwicklungen, aus Partnerschaften und aus der Start-up-Förderung.

Grafik: Innovation als Dreiklang

EIGENE ENTWICKLUNGEN

2016 war Group Innovation+ maßgeblich daran beteiligt, verschiedene innovative Produkte weiterzuentwickeln und einzuführen; nachfolgend wollen wir Ihnen einige vorstellen.

  • BMW-ConnectedDrive Nutzer können seit 2016 einen WLAN-HotSpot über unser HotSpot Drive-Portal buchen. Über den mobilen Hotspot lassen sich bis zu 10 WLAN-fähige Geräte auch ohne eigene SIM-Karte gleichzeitig mit dem schnellen Internet verbinden. Gesurft werden kann dann weltweit. Nutzer können je nach Bedarf zwischen verschiedenen Datenpässen wählen und diese unkompliziert erwerben. Ebenfalls seit dem Berichtsjahr rüsten wir ConnectedDrive auch mit LTE aus. In den Fahrzeugen kommt erstmals eine eingebaute eSIM zum Einsatz, die bei Bedarf von außen „over the air“ aktualisiert werden kann.
  • Unser TelekomCLOUD Portal fasst unser komplettes Cloud-Angebot für Unternehmen aller Größen zusammen. Kunden bietet es direkt online konfigurier- und buchbare Lösungen für Software, Plattformen und Infrastruktur. Im Bereich Geschäftsanwendungen als Software-as-a-Service (SaaS) reicht das Angebot von klassischen Office-Anwendungen über Virenschutzlösungen bis zu sicheren Online-Speichern und Conferencing- und Collaboration-Tools aus unseren sicheren Rechenzentren in Deutschland. Dabei fungiert die AppDirect-Plattform als SaaS-Steckerleiste für den Konzern und erlaubt ein komplettes Onboarding neuer Lösungen im Fast-Track-Modus. Ergänzt wird das Angebot um qualifizierte Beratungs- und Supportleistungen durch unsere zertifizierten Cloud-Experten im eigens von Group Innovation+ aufgebauten „Cloud Customer Interaction Center“.
  • Unsere Voice Encryption Services garantieren abhörsichere Kommunikation – unterwegs, im Home Office oder an verschiedenen Firmenstandorten. So helfen wir Unternehmen, sich vor Informationsverlust durch Spionage umfangreich zu schützen.
  • Unser flexibler, modular aufgebauter VPN-Service „Managed VPN Suite“ ermöglicht die schnelle und einfache Anbindung von Remote-Nutzern, verteilten Standorten und Maschinen.
  • Geschäftskunden profitieren von unserem sicheren Cloud-Speicher: Secure Data Drive ist verschlüsselt und wird nach deutschem Datenschutzrecht in unserem zertifizierten Rechenzentrum betrieben. Mehr Informationen zu unseren neuen Produkten finden Sie im Kapitel „Wichtige Ereignisse im Geschäftsjahr 2016“.

T-Labs. Mit unserem zentralen Forschungsbereich, den Telekom Innovation Laboratories (T-Labs), verfügen wir über eigene Forschungs- und Entwicklungsstätten an internationalen Standorten, u. a. in Berlin, Darmstadt, Bonn, Beer Sheva und Tel Aviv in Israel sowie Mountain View in den USA. Dort entwickeln und testen rund 500 Experten und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen neue Technologien. Dabei arbeiten sie eng mit industriellen Partnern, internationalen Universitäten und Forschungsinstitutionen im Sinne der Open Innovation und für unsere operativen Segmente zusammen. An ihrem Hauptstandort Berlin sind die T-Labs seit 2004 mit der Technischen Universität Berlin verbunden – eine der größten und bekanntesten Public Private Partnerships in Europa. 2016 standen bei den T-Labs u. a. folgende Themen im Vordergrund:

  • immmr. Mit immmr haben wir einen neuen Service gestartet, der einen digitalen Carrier-Ansatz verfolgt und mit dem wir das konventionelle Kommunikationsprodukt „Telefonie und Messaging“ in die digitale Welt überführen. Benutzer können von allen Geräten aus über ihre Mobilfunk-Nummer kommunizieren. Neue Produkte und Services werden damit verfügbar wie z. B. virtuelle Telefonnummern, mehrere Identitäten und Gruppen-Video-Kommunikation. Im Dezember 2016 starteten wir immmr in der Slowakei, 2017 sollen sieben weitere Länder folgen.
  • Zugangstechnologien. Unsere T-Labs entwickeln Verfahren und Prototypen, um verschiedenste Zugangstechnologien effektiv zu bündeln und anwendungsgerecht zuzuweisen, wie 2016 beispielsweise in dem Projekt Well-Fi. Dabei verbinden wir die neuesten WiFi-Technologien mit einer intelligenten Netzsteuerung. Weil alles um uns herum noch smarter wird – Smartphone, Smart Home, Smart City –, braucht es einen einfachen und intelligenten Zugang zum Internet zu Hause. Mit der wachsenden Zahl von Netzwerkgeräten wird es immer schwieriger, alle Bereiche in unseren Wohnungen mit einem konstant guten WiFi-Signal zu versorgen. Well-Fi gewährleistet eine hervorragende WiFi-Qualität in jedem Raum; Service-Unterbrechungen oder tote Winkel gehören damit der Vergangenheit an. Mit der Makedonski Telekom haben wir im Berichtsjahr einen technischen Feldversuch begonnen, um zu zeigen, wie alltagstauglich Well-Fi ist.
  • Intelligent Cloud Robotics. In der industriellen Produktion wachsen die Anforderungen an Flexibilität und Effizienz (Stichwort: Industrie 4.0), dazu kommen neue Anwendungsfelder im Heim- und Dienstleistungsbereich. Dies stellt die Robotik – die Arbeit von und mit Robotern – vor neue Herausforderungen. Dank hochleistungsfähiger Vernetzung, sicheren Cloud-Infrastrukturen und durch künstliche Intelligenz gestützte Anwendungsfunktionen wandelt sich der Roboter vom repetitiven Qualitätswerkzeug zum kognitiven und kooperativen Universalinstrument. Dieses kann – eingebettet in das Internet der Dinge – seine Umgebung wahrnehmen, mit Menschen kooperieren und in unterschiedlichsten Anwendersituationen von Nutzen sein. In unserem T-Labs Projekt „Intelligent Cloud Robotics“, Teil unserer Initiative Low Latency Compute, greifen wir die wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen dieser Entwicklung auf und setzen sie in Form von Machbarkeitsstudien und Prototypen für Industrie- und Service-Robotik um – in Kooperation mit namhaften Forschungseinrichtungen. Seit Mitte 2016 bauen wir ein Labor mit unterschiedlichen Robotertypen auf, das wir in Zukunft auch für potenzielle Geschäftspartner öffnen wollen.
  • Smart Farming. Bei der Digitalisierung nimmt der landwirtschaftliche Maschinenbau eine Vorreiterrolle ein. Vernetzte, selbstlenkende und mit vielen Sensoren ausgestattete Maschinen sind heute schon Standard. Das im Rahmen des Programms Smart Service Welt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt Smart Farming hat zum Ziel, offene, standardisierungsfähige und zugleich sichere, robuste und effiziente Systemarchitekturen für die Kommunikation unterschiedlicher Maschinen und Backend-Systeme zu entwickeln und in praxisrelevanten Anwendungsfällen zu erproben. Ziel ist es, ein herstellerübergreifendes Systemkonzept zu entwickeln, das den Landwirt bei der Zusammenstellung seines Maschinenfuhrparks nicht einschränkt. Somit kann der Landwirt herstellerunabhängig den am besten geeigneten Dienstanbieter auswählen. 15
  • Data Analytics. Im Bereich Data Analytics arbeiten unsere T-Labs an Use Cases, Pilotprojekten und Konzepten, wie man Datenmengen sinnvoll nutzen und analysieren kann. Ein Beispiel ist unser Forschungsprojekt „Data Cockpit“: ein innovatives Web-Interface, das dem Kunden Transparenz hinsichtlich seiner personenbezogenen Daten verschafft und so das Vertrauen in unser Unternehmen stärkt. Schließlich kann der Kunde jederzeit die Freigabe seiner Daten steuern.

PARTNERSCHAFTEN

Neben der Entwicklung von eigenen Lösungen setzt Group Innovation+ – orientiert an unserer Konzernstrategie – auch bei Innovationen immer wieder auf die Zusammenarbeit mit Partnern. Ziel dabei ist es, ein breiteres Angebot an innovativen Produkten und Diensten für unsere Kunden zu schaffen. Dabei nutzt unser Konzern auch die große Innovationskraft aus dem Silicon Valley, Israel, Deutschland und anderen Innovations-Hotspots.

Einige Beispiele für erfolgreiche Partnerschaften möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen. Mehr Informationen zu unseren neuen Produkten finden Sie im Kapitel „Wichtige Ereignisse im Geschäftsjahr 2016“.

  • Gemeinsam mit Zimperium bieten wir Unternehmen jeder Größe einen Rundumschutz für mobile Endgeräte: „Mobile Protect Pro“ sorgt für Sicherheit bei mobilen Applikationen sowie für Schutz vor Attacken über WiFi und andere drahtlose Verbindungen und vor Schwachstellen in mobilen Betriebssystemen.
  • Ende 2016 hat T-Mobile Czech Republic mit unserem Partner Mojio einen Connected-Car-Service auf den Markt gebracht, mit dem unsere Kunden ihr Auto in ein „SmartCar“ verwandeln können – mit Überblick über Nutzung, Fahrverhalten und Zustand des Autos. Da Mojio eine offene Plattform ist, profitieren Kunden in Zukunft von weiteren praktischen Angeboten, wie z. B. Hilfe bei der Parkplatzsuche.
  • Mit unserem Partner FON und mit über 2,5 Mio. Zugangspunkten stellen wir eines der größten WiFi-Netzwerke Europas zur Verfügung. Mit FON können Kunden ihren privaten WLAN-Zugang mit unseren anderen Kunden teilen. 2016 startete dieser Service in Ungarn.

START-UP-FÖRDERUNG

Im Mai 2012 eröffnete die Deutsche Telekom in Berlin unter dem Namen „hub:raum“ einen eigenen Inkubator – also ein Förderzentrum für Start-ups. hub:raum (www.hubraum.com) investiert in Start-ups in ihrer Frühphase, unterstützt sie mit Co-Working-Space und Mentoring und verknüpft sie auf pragmatische Art und Weise mit unserem Konzern. hub:raum fungiert also als Schnittstelle zwischen der Start-up-Welt und uns, auch als Teil unserer Zukunftsinitiative, in deren Rahmen wir verstärkt auf Kooperationen setzen. Im Berichtsjahr förderte hub:raum vier Start-ups: 9

  • Teraki hat eine Software zur Selektion relevanter Daten aus dem Internet der Dinge entwickelt (www.teraki.com). T-Systems hat Teraki im Rahmen eines Proof of Concept bei einem Kunden eingesetzt, um große Datenmengen so zu reduzieren, dass die Daten auch bei schwierigen Übertragungsbedingungen verlustfrei wiederhergestellt werden können.
  • Contiamo bietet webbasierte Business-Intelligence-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen. Die Software führt verschiedene Unternehmensdaten an einem zentralen Ort zusammen und erleichtert es, diese zielgerichtet auszuwerten. Bei den Analysen zu unserer Customer Touchpoint Suite vertrauen wir auf die Cloud-basierte Business-Intelligence-Lösung von Contiamo.
  • M2Mgo bietet ein Cloud-basiertes Content-Management-System an, das für die Programmierung und den Betrieb von Web-Applikationen benutzt werden kann (www.m2mgo.com). So können Unternehmen individuelle Web-Portale im Bereich des Internets der Dinge so einfach wie mit einem Baukasten entwickeln; dies spart Kosten und Zeit.
  • Flexperto entwickelt und vertreibt als SaaS eine internetgestützte Software-Lösung, die weit über klassische Videokonferenzsysteme hinausgeht und zur Standardsoftware für Online-Beratung avancieren soll. Dabei verknüpft Flexperto Terminmanagement, Kommunikation, verschlüsselte Videoberatung, verschlüsseltes Nachrichtensystem/Instant Messaging, Telefonberatung, Abrechnung und Kundenmanagement (www.flexperto.com).

Außerdem hat hub:raum 2016 mit mehr als 35 Start-ups im Rahmen des IoT-Start-up-Programms Challenge Up! (mit Intel und Cisco) das Narrowband-IoT-Prototyping-Programm durchgeführt.

Unser Engagement im Bereich Venture Capital, Private Equity und Technologie-Innovation haben wir mit unserer Anfang 2015 gegründeten Deutsche Telekom Capital Partners Gruppe (DTCP) neu strukturiert und bauen es deutlich aus. DTCP ist die Investment-Management-Gruppe der Deutschen Telekom und steht im Zentrum unseres neu gestalteten Investmentkonzepts. DTCP bietet Wachstumskapital für Start-ups mit markterprobtem Geschäftsmodell, Investitionen in reife Unternehmen sowie strategische Beratung im Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor mit dem Ziel, Wert für den Konzern, Investoren, Portfolio-Unternehmen und weitere Stakeholder zu schaffen. Wir wollen über einen Zeitraum von fünf Jahren durch DTCP 450 Mio. € investieren. Die Investments der DTCP sind stark finanziell getrieben – DTCP soll Anteile an Unternehmen kaufen, die Unternehmen wachsen sehen und die Anteile mit Gewinn wieder verkaufen. Durch die Auswahl der erfolgreichsten Start-ups und die enge Arbeit mit diesen ergeben sich hier strategisch relevante Kooperationsmöglichkeiten und Geschäftsbeziehungen zum Konzern.

Für Investments mit einer vornehmlich strategischen Motivation berät DTCP unser strategisches Beteiligungsvehikel Telekom Innovation Pool („TIP“). TIP tätigt hierbei Investments nicht nur in externe Start-ups, die als strategisch sehr relevant identifiziert wurden, sondern unterstützt bzw. realisiert auch interne Ventures, sog. „Spin-offs“. Hier werden Ideen aus der Deutschen Telekom heraus als Ausgründungen etabliert; das ermöglicht größere unternehmerische Freiheit und kürzere Entscheidungswege. Zusätzlich wird das bestehende Portfolio DTVF (Deutsche Telekom Venture Funds GmbH) mit dem Ziel beraten, die noch etwa 55 bestehenden Beteiligungen in ihrer Wertentwicklung (auch mit Folgeinvestitionen) zu unterstützen und gewinnbringend zu veräußern.

Bereits in ihrem ersten vollen Jahr der Geschäftstätigkeit gelangen der DTCP erfolgreiche Deals. So wurden die Start-ups Nexmo an Vonage und Replay an Intel gewinnbringend verkauft. Zusätzlich hat DTCP im Jahr 2016 sechs weitere Venture-Capital-Investitionen getätigt: in die Cyber-Security-Unternehmen SafeBreach und Fireglass, die intelligenten Datenverkehrs-Management-Systeme NS1 und Aryaka, Big-Data-Analytics-Tool Paxata sowie in den Fonds evalue ventures.

PATENTE

Die Bedeutung von Patenten in der Telekommunikationsbranche wächst beständig. Akteure und Aktionsfelder ändern sich und beeinflussen unsere IPR-Agenda (Intellectual Property Rights (IPR), zu Deutsch: Rechte am geistigen Eigentum). Dabei gilt es einerseits, die Handlungsfreiheit unseres Konzerns zu erhalten. Andererseits wollen wir neben eigener Forschung und Entwicklung durch Kooperationen und Partnerschaften den Weg zu „Open Innovation“ öffnen. Dafür sind Schutzrechte – national wie international – außerordentlich bedeutend. Wir widmen uns intensiv der Erzeugung eigener Rechte. Im Berichtsjahr konnten wir 275 Patente anmelden und verfügen damit über einen Gesamtbestand von rund 7 900 Schutzrechten.

Unser IPR-Portfolio entwickeln wir intensiv weiter und bereinigen es auch. Dies sichert die Werthaltigkeit des Bestands sowie den strategischen Fit mit den Stoßrichtungen unseres Konzerns. Ergänzend dazu trägt die professionelle Handhabung von patentjuristischen Aufgaben zur Stabilität unserer IPR-Assets bei. Wir sind darüber hinaus in wichtigen Standardisierungsgremien der Branche tätig. Beim Management von Schutzrechten berücksichtigen wir Kosten-Nutzen-Aspekte durch selektive Anmeldung und stringentes Terminieren.