Aspekt 4: Achtung von Menschenrechten

Die Achtung der Menschenrechte hat für unseren Konzern einen sehr hohen Stellenwert; dies gilt unternehmensintern und gleichermaßen für unsere Geschäftspartner und Lieferanten. Um auch außerhalb unseres Konzerns die Achtung der Menschenrechte zu gewährleisten, nehmen wir unsere mehr als 30 000 Lieferanten in über 80 Ländern ausdrücklich mit in die Verantwortung.

ARBEITSSTANDARDS IN DER LIEFERKETTE UND IM KONZERN

Die Einhaltung von Menschenrechten ist weltweit immer noch keine Selbstverständlichkeit. Durch unsere globalen Beschaffungstätigkeiten können wir länder- und lieferantenspezifischen Risiken ausgesetzt sein, dazu zählen z. B. der Einsatz von Kinderarbeit oder mangelhafte Arbeits- und Sicherheitsbedingungen vor Ort. Verstöße fügen den Betroffenen großen Schaden zu und können auch für Unternehmen einen Reputationsverlust bedeuten und negative wirtschaftliche Folgen hervorrufen. Mehr Informationen hierzu erhalten Sie im Kapitel „Risiko- und Chancen-Management“.

Als verantwortungsbewusstes Unternehmen bekennen wir uns ausdrücklich zu den vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen 2011 verabschiedeten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte („Ruggie-Principles“). Die Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte ist in unseren grundlegenden Regelwerken verankert – in unseren Unternehmensleitlinien sowie in der Telekom-Sozialcharta, die wir im Berichtsjahr aktualisiert und zum „Menschenrechtskodex & Soziale Grundsätze“ weiterentwickelt haben. Die Neufassung hat der Vorstand im November 2017 beschlossen. Die Aktualisierung unterstreicht unser Bekenntnis zum Schutz der Menschenrechte und zu den Zielen des „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ der Bundesregierung aus dem Jahr 2016. Mit dem „Menschenrechtskodex & Soziale Grundsätze“ bekennen wir uns darüber hinaus zu den Leitlinien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und zum Global Compact der Vereinten Nationen. Auch von unseren Lieferanten fordern wir die Einhaltung aller menschenrechtsbezogenen Leitlinien. Innerhalb unseres Konzerns liegt unser Augenmerk in erster Linie auf der Wahrung des Rechts auf Kollektivvereinbarungen sowie auf der Gewährleistung von Vielfalt und Chancengleichheit. Weitere Informationen hierzu finden Sie in diesem Kapitel unter den Überschriften „Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretung/Gewerkschaften“ und „Diversity und Chancengleichheit“. 10

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verlangen, Auswirkungen der eigenen Geschäftstätigkeit auf Menschenrechte systematisch zu identifizieren und negative Folgen zu verhindern, abzumildern oder bei Bedarf wiedergutzumachen. Um diese Anforderungen zu erfüllen, haben wir für unseren gesamten Konzern ein umfassendes Programm zur Implementierung der Leitprinzipien entwickelt und einen fortlaufenden Prozess aus mehreren ineinandergreifenden Maßnahmen und Instrumenten eingeführt. Das Programm umfasst u. a. eine Bewusstseinsförderung, einen Beschwerdemechanismus, eine Risiko- und Auswirkungsanalyse sowie eine Berichterstattung.

Zur Überprüfung unseres „Menschenrechtskodex & Soziale Grundsätze“ nutzen wir v. a. zwei Instrumente: Zum einen erstellen wir jedes Jahr einen zentralen Sozialbericht („Social Performance Report“): 2016 erklärten darin alle befragten 103 Gesellschaften, dass sie die Grundsätze und Prinzipien des „Menschenrechtskodex & Soziale Grundsätze“ einhalten, für 2016 verzeichnet der Bericht keinerlei Verstöße. Für das Jahr 2017 stieg die Zahl der befragten Gesellschaften auf 122. Zudem haben wir den zentralen Sozialbericht 2017 in Menschenrechts- & Sozialbericht weiterentwickelt und um Fragen zu den einzelnen Prinzipien des „Menschenrechtskodex & Soziale Grundsätze“ erweitert. Den Bericht 2017 veröffentlichen wir im März 2018 auf unserer Webseite. Zum anderen gibt es bei uns eine zentrale Anlaufstelle für Menschenrechte – erreichbar unter der E-Mail-Adresse humanrights(at)telekom.de sowie ein anonymes Hinweisgebersystem. Alle Kontaktmöglichkeiten haben wir auf unserem Hinweisgeberportal „Tell me!“ zusammengefasst. Wir untersuchen jeden Hinweis und leiten Gegenmaßnahmen ein, sofern sich die Hinweise als plausibel herausstellen. 2017 erhielt die Kontaktstelle sieben Hinweise mit Menschenrechtsbezug, die entweder direkt über die Kontaktstelle oder über das (anonyme) Hinweisgebersystem eingingen. Nicht alle Hinweise wurden als plausibel bewertet. In unseren Landesgesellschaften führen wir bei Bedarf Begutachtungsprozesse zur Einschätzung der Arbeitgeber-Mitarbeiter-Beziehungen durch. Dafür erheben wir fünf menschenrechtsbezogene Kennzahlen wie die Mitarbeiterzufriedenheit und werten diese mit einem Ampelsystem aus. Detaillierte Informationen zur Mitarbeiterzufriedenheit finden Sie im Kapitel „Mitarbeiter“. Zusätzlich überprüfen wir jährlich formal die Einhaltung der „Employee Relations Policy“. Diskutiert werden die Ergebnisse mit den jeweiligen Regional-Managern der Landesgesellschaften; bei Bedarf vereinbaren wir Maßnahmen wie ein „Human Rights Impact Assessment“, ein Verfahren zur Abschätzung von tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen unternehmerischen Handelns auf die Menschenrechte und der Fähigkeit der Organisation, diese Auswirkungen zu verhindern, mildern oder zu beheben. 2017 haben wir ein solches Assessment bei T%nbsp;- Systems do Brasil sowie „Employee Relations Policy“ Reviews bei T-Systems Netherlands und bei IT Services Hungary durchgeführt. Dazu kommt, dass wir ein spezielles Menschenrechtstraining konzipiert haben, das seit Januar 2018 konzernweit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern absolvieren können.

Mehr und mehr erwartet die Öffentlichkeit, dass Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen und ihre Möglichkeiten der Einflussnahme ausschöpfen. Wir arbeiten seit vielen Jahren daran, die Nachhaltigkeitsleistung in unserer Lieferkette zu verbessern. Dabei leiten wir unsere Strategie zur Nachhaltigkeit im Einkauf aus unserer CR-Strategie ab; sie ist konzernweit in den Einkaufsprozessen verankert. Die Verantwortung für die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Einkauf tragen die Leiter des CR- und des Einkaufsbereichs gemeinsam. Sie berichten an den Vorstand Personal bzw. Finanzen, ein Eskalationsprozess sieht in gravierenden Fällen Entscheidungen auf Vorstandsebene vor. Die Arbeitsgruppe „Nachhaltiger Einkauf“ unterstützt die internationalen Einkaufsbereiche dabei, die Nachhaltigkeitsanforderungen umzusetzen. Fixiert sind unsere Nachhaltigkeitsprinzipien für den Einkauf in der Konzernrichtlinie „Global Procurement Policy“, die dazugehörigen „Procurement Practices“ liefern konkrete Handlungsanweisungen für den Einkauf in Deutschland und gelten als Empfehlung für unsere Landesgesellschaften. Unsere Beschäftigten schulen wir konzernweit über ein E-Learning Tool; zusätzlich gibt seit 2016 ein Einkäuferhandbuch einen Überblick darüber, welche CR-Kriterien an welcher Stelle des Beschaffungsprozesses zu berücksichtigen sind.

In unserem 2017 aktualisierten Verhaltenskodex für Lieferanten (Supplier Code of Conduct), der Bestandteil unserer Allgemeinen Einkaufsbedingungen ist und damit von all unseren Lieferanten anerkannt werden muss, sind ethische, soziale und ökologische Grundsätze festgeschrieben. Bei Ausschreibungen gewichten wir das Thema Nachhaltigkeit mit 10 %.

Wir können nicht garantieren, dass alle unsere Lieferanten die Grundsätze unseres Supplier Code of Conducts einhalten. Aber um Risiken zu minimieren und Lieferanten weiterzuentwickeln, überprüfen wir diese regelmäßig und arbeiten eng mit ihnen zusammen. Dazu verwenden wir einen vierstufigen Ansatz: Der Verhaltenskodex für Lieferanten ist integraler Bestandteil aller Lieferantenverträge und als solcher bindend für alle unsere Zulieferer (Stufe 1). Strategisch relevante oder risikoreiche Lieferanten rufen wir in der weiteren Geschäftsbeziehung dazu auf, ausführlichere Selbstauskünfte über das Informationssystem E-TASC (Electronics-Tool for Accountable Supply Chains powered by EcoVadis) zu geben. Bei einigen Zulieferern mit erhöhtem CR-Risiko gehen wir noch einen Schritt weiter und führen Lieferantenprüfungen (Social Audits) vor Ort durch (Stufe 2). Wir konzentrieren uns dabei nicht nur auf unsere direkten Lieferanten, sondern – soweit möglich – auch auf Zulieferer in der nachgelagerten Lieferkette. Die Effektivität der Audits steigern wir außerdem, indem wir mit zwölf anderen Unternehmen in der Joint Audit Cooperation (JAC) zusammenarbeiten. 2017 haben wir insgesamt 89 Social Audits durchgeführt – 26 davon bei unseren direkten und 63 bei unseren indirekten Zulieferern. Wie in den Vorjahren konzentrierten wir unsere Audit-Aktivitäten auf Lieferanten in Asien, v. a. in China und benachbarten Ländern wie Indien, Malaysia, Südkorea und Thailand, aber auch in Brasilien, Mexiko und Osteuropa. Zu den auditierten Lieferanten gehörten Produzenten aus den Bereichen IT-Hardware, -Software und -Dienstleistungen sowie Netzwerke und Endgeräte. 10

Auf Basis der Selbstauskünfte und Audit-Ergebnisse klassifizieren und bewerten wir Lieferanten – in erster Linie solche, die mehrere Warengruppen anbieten – nach CR-Kriterien (Stufe 3). In unserem mehrfach ausgezeichneten Entwicklungsprogramm für Lieferanten (Stufe 4) entwickeln wir gemeinsam Lösungen für Themen wie Umweltschutz, Arbeitszeitregelungen oder Gesundheitsschutz. Die Erfolge des Programms wirken nicht nur mit Blick auf soziale oder ökologische Vorteile, sie sind auch ökonomisch messbar: So gingen z. B. bei einem Lieferanten die Ausfalltage um 35 % zurück. Bessere Arbeitsbedingungen wirken sich aber nicht nur positiv auf die Motivation der Beschäftigten aus und steigern die Produktivität, sie verbessern auch die Qualität der Produkte; dies wiederum senkt die Anzahl an Beanstandungen bei unseren Produkten. Zu den ökologischen Verbesserungen zählt etwa der um 36 % gesenkte Wasserverbrauch bei einem Lieferanten. In unser Entwicklungsprogramm beziehen unsere Lieferanten auch ihre Unterlieferanten ein: So entfaltet sich die Wirkung über unsere Wertschöpfungskette. 2017 haben wir drei neue Lieferanten in das Programm aufgenommen. Insgesamt umfasst es nun 14 Zulieferer. Um dazu beizutragen, die globale Lieferkette für ICT-Produkte nachhaltiger zu gestalten, entwickeln wir unser Lieferantenprogramm zu einem Industriestandard weiter, andere ICT-Unternehmen können sich dann dem Programm anschließen und ebenfalls ihre Lieferanten einbeziehen. 17

Unsere Nachhaltigkeitsleistung im Einkauf messen und steuern wir mit dem ESG KPI „Nachhaltiger Einkauf“. Er stellt das Einkaufsvolumen bei Lieferanten, die im Rahmen von Selbstauskünften, E-TASC oder Social Audits auf soziale und ökologische Kriterien geprüft wurden, in Bezug zu unserem gesamten Einkaufsvolumen. Der Anteil des risikogeprüften Einkaufsvolumens lag 2017 bei 81 %. Unser Ziel ist es, bis 2020 eine Abdeckung von mindestens 80 % zu halten.